
Die Zukunft unserer Unternehmen ist durch die zunehmende europäische Bürokratisierung gefährdet
Gastkolumne „De Pen“ vom 11. Juni 2026 im niederländischen Fachmagazin Profiel
Robert Schlieper – Geschäftsführer WILKA Schließtechnik GmbH
"Zunächst möchte ich mich beim Team von Profiel bedanken, dass ich diesen Beitrag für „De Pen“ verfassen darf. Denn ich möchte eine große Sorge mit Ihnen teilen: die zunehmende Regulierungsdichte in Europa, die es Unternehmen immer schwerer macht. Dadurch geraten sowohl die Kontinuität als auch die Innovationskraft unserer Industrie in Gefahr. Warum belastet uns die Politik mit dieser Bürokratisierung? Anders gefragt: Gibt es den Mittelstand in zehn Jahren überhaupt noch?
Praktisch jeden Tag frage ich mich, wie politische Entscheidungsträger in den Brüsseler Sitzungssälen Beschlüsse fassen können, ohne die praktischen Auswirkungen wirklich zu kennen. Unsere tägliche Aufgabe als Unternehmen sollte doch nicht darin bestehen, uns zu fragen: Welche Vorschriften muss ich heute wieder erfüllen, um Brüssel zufriedenzustellen?
Dabei denke ich beispielsweise an die Bedeutung des CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) für die europäische Industrie. Die Grundidee ist gut. Doch nach der aktuellen Regelung müssen Rohstoffe bestimmte Anforderungen erfüllen. Ist dies nicht der Fall, müssen Hersteller Emissionszertifikate erwerben, wodurch die Rohstoffe teurer werden. Auch im Ausland eingekaufte Rohstoffe müssen diese Anforderungen erfüllen.
Derzeit gelten diese Vorschriften jedoch nicht für fertige Produkte wie Schlösser und Schließzylinder. Das bedeutet, dass vergleichbare Produkte aus China die Anforderungen nicht erfüllen müssen. Folglich müssen dafür auch keine Zertifikate gekauft werden. Sie ahnen es bereits: Diese Produkte aus China sind dadurch sofort günstiger. Und wir haben einen Wettbewerbsnachteil.
Für uns als Unternehmen gilt daher: Würden wir ausschließlich auf Kosten und Regulierung achten, müssten wir unsere Produktion ins Ausland verlagern. Doch genau das wollen wir nicht. Als traditionelles Familienunternehmen gehören wir zum Mittelstand. Wir tragen Verantwortung für die regionale Beschäftigung. Wir stehen für Kontinuität. Es kann doch nicht sein, dass all das, was wir gemeinsam über viele Jahre hinweg mit harter Arbeit aufgebaut haben, durch diese Bürokratisierung gefährdet wird. Warum gibt uns Europa nicht den notwendigen Freiraum, uns auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren?
Durch die Vielzahl an Vorschriften – und es werden immer mehr – verlieren wir zunehmend den Überblick darüber, welche Anforderungen wir überhaupt erfüllen müssen. Unser Geld fließt in Verwaltung statt in Innovation. Selbst bei uns in Deutschland haben die Interessenverbände Schwierigkeiten nachzuvollziehen, was in Brüssel tatsächlich beschlossen wird.
Betrachten Sie diese Kolumne daher als einen Hilferuf. Ich hoffe, dass politische Entscheidungsträger und Politiker diese Zeilen lesen und erkennen, dass es so nicht weitergehen kann. Unsere starke Industrie in Deutschland und den Niederlanden – und in Europa insgesamt – möchte überleben und an die nächste Generation weitergegeben werden. Die drängende Frage lautet jedoch: Wie lange können wir unter diesen Bedingungen noch durchhalten?
Kurz gesagt: Wer von den Damen und Herren in Politik und Verwaltung nimmt diesen Weckruf auf? Die Zukunft unserer Unternehmen steht durch die fortschreitende europäische Bürokratisierung auf dem Spiel."